Weil am Rhein im Test (und Streit)

Die Hauptstraße wurde zuerst zur Fußgängerzone gewandelt, dann zur Einbahnstraße

Am 10. August startete in Weil am Rhein ein siebenwöchiger Testlauf für eine Pop-up-Fußgängerzone. Die temporäre Fußgängerzone in der Hauptstraße begann an der Schillerstraße und endete an der Abzweigung zur Bühlstraße (die bis dahin 20 km/h Zone).

Auslöser war, dass es auf Gehwegen nicht genügend Raum gab, um die Corona-Abstands-Regelungen einzuhalten.

Radfahrer durften die Fußgängerzone in beide Richtungen befahren. Erfreulich war ebenso, dass Straßen mit einem Durchfahrtsverbot für Autos für den Radverkehr geöffnet blieben; auch die vorübergehend eingerichteten Einbahnstraßen waren für den Radverkehr in Gegenrichtung frei.

In östlicher Richtung fuhren die Linienbusse durch die Fußgängerzone, in Richtung Westen nahmen die Busse den Weg über die Humboldtstraße. Lieferverkehr war bis 10 Uhr erlaubt, mit Sondererlaubnissen auch später. Anwohner mit einem Parkberechtigungsschein konnten ihre Parkplätze weiterhin erreichen.

Die öffentlichen Parkplätze, die sich in der Fußgängerzone befinden und nicht genutzt wurden, sollten den Gastronomen und dem Einzelhandel mehr Platz verschaffen.

Radlers große Freude…

Radler schätzen die Durchfahrt durch die Fußgängerzone sehr. Radfahrer waren hier, wie man feststellen konnte, mit mäßiger Geschwindigkeit unterwegs und gefährdeten nicht die Fußgänger. Die Geschäfte konnten problemlos mit dem Velo angefahren werden. Es gab keine Behinderungen durch ein- und ausparkende Fahrzeuge, was erheblich zur Sicherheit beim Radfahren beitrug. Radabstellplätze vor den Geschäften waren gut belegt, was klar darauf hindeutete, dass vermehrt mit dem Velo eingekauft wurde.

Doch nach heftigen Protesten der Händlervereinigung Weil-aktiv und von Anliegern wurde zum 31. August aus der autofreien Fußgängerzone eine Einbahnstraße durch die Innenstadt: frei für den Verkehr in Richtung Osten. So sollte der Verkehrsfluss verbessert werden. Die IG Velo ging davon aus, dass der Radverkehr weiterhin in beide Richtungen unterwegs sein durfte.

…bald wieder getrübt

Tatsächlich wurde die Hauptstraße für Radfahrer nicht in Gegenrichtung freigegeben.

Auf Nachfrage teilte die Stadtverwaltung der IG Velo mit, dass es (in Tagen der Fußgängerzone) bei Begegnungen von Radlern mit Bussen und Lieferfahrzeugen Probleme gegeben habe, dass Radfahrer zwischen die Blumenkübel ausweichen und warten mussten. Bei täglich einer mittleren dreistelligen Zahl Fahrzeuge schien das der Stadt noch vertretbar – aber nicht mehr bei deutlich stärkerem Verkehr mit Einbahnregelung.

Als Alternative wäre das Verschieben oder Entfernen der Blumenkübel in Frage gekommen. Damit hätte, so die Stadtverwaltung, die Gefahr bestanden, dass die Auslagen der Geschäfte und die Bestuhlung der Gastronomiebetriebe sich wieder enger zusammenziehen. Der Grundgedanke des Platzschaffens wäre verloren gegangen. Die Velofahrer, so die Stadt, könnten in Richtung Schlaufenkreisel ja durch die Gartenstadt radeln. Auch nördlich der Hauptstraße gebe es für Radfahrer Ersatzstrecken.

Schlussendlich war festzustellen, dass es keine Fußgängerzone mehr war. Und wie befürchtet sind Radler entgegen der Einbahnrichtung unterwegs gewesen; der Gehweg wurde ebenfalls genutzt. Grundsätzlich war Radfahrern schwer verständlich, dass für sie die Einbahnstraße nicht in Gegenrichtung freigegeben wurde.

IG Velo mit klarem Ziel

Sollte für die weitere Zukunft eine Fußgängerzone in Weil geplant sein, wird sich die IG Velo dafür einsetzen, dass sie für Radler in beide Richtungen freigegeben wird.

Wiechert