In Weil braucht es viel Geduld

Bei ihrer Mitgliederversammlung wünscht die IG Velo-Ortsgruppe Weil raschere Fortschritte und einen Fahrradbeauftragten.

In Weil am Rhein haben IG Velo-Mitglieder erneut Jürgen Wiechert zum Vorsitzenden der Ortsgruppe und Michael Pantze zu seinem Stellvertreter gewählt. Die IG Velo drängt hier weiter auf eine bessere Infrastruktur für den Radverkehr und wünscht sich für ein konsequentes Vorankommen einen Fahrradbeauftragten im Rathaus.

Bis Fortschritte erreicht seien, brauche es nach wie vor viel Geduld, einen langen Atem und fortdauerndes Nachhaken: Diese keineswegs neue Kritik aus der (alle zwei Jahre stattfindenden) Mitgliederversammlung hörten auch drei Gäste von der Stadtverwaltung: der Leiter des Stadtbauamtes Christan Renner, Ariane Linde vom Stadtbauamt und Carola Felber von der Abteilung Verkehr- und Tiefbau.

Die Hauptstraße

Für seine Zwischenbilanz der Radverkehrsentwicklung richtete Jürgen Wiechert die Scheinwerfer auf etliche kritische Orte in Weil am Rhein. Er erinnerte auch an das noch frische Mobilitätskonzept der Stadt Weil. Es zeigt sehr deutlich die Probleme für Velofahrer im Stadtgebiet auf, so neuralgische Punkte in der Hauptstraße von Friedlingen bis zur Friedensbrücke und weiter vom Schlaufenkreisel bis Alt-Weil: Beim Radweg in Friedlingen werden Standards für den Radverkehr nicht eingehalten; auf Schutzstreifen in der Kernstadt gibt es Konflikte mit ein- und ausparkenden Autofahrern. Nach dem Mobilitätskonzept könnte in der Kernstadt ein Radfahrstreifen unter Wegfall der südlichen Längsparkplätze realisiert werden. Damit würde sich die Sicherheit der Velofahrer massiv verbessern – ob das machbar ist, ließ Wiechert offen.

Für die IG Velo ist nicht nur die Hauptstraße in Friedlingen problematisch, sondern auch die Zollstraße sowie die unübersichtliche Radwegführung von und zur Dreiländerbrücke. Als Alternative zur Hauptstraße in Friedlingen sollte die Obere Schanzstraße als Fahrradstraße für den Veloverkehr ausgewiesen werden. Zu den genannten Problembereichen soll Anfang April eine Radverkehrsschau stattfinden, merkte dazu Bauamtsleiter Christian Renner an.

Das Radverkehrskonzept           

Bereits im November 2015 hat der Gemeinderat ein Radverkehrskonzept verabschiedet: „Velo 2015“. Die Verwirklichung stecke noch in den Kinderschuhen, urteilt die IG Velo. Christian Renner versicherte, die Umsetzung der Projekte werde bzw. sei bereits eingeleitet. Ziele des Konzepts sind unter anderem die bessere Verknüpfung von Stadtteilen und die bessere Erschließung von Wohnquartieren. Wünschenswert wäre, so Wiechert, wenn die Stadt für Radfahrer eine Hotline für Anregungen und Beschwerden sowie eine aktuellen Radkarte und einiges mehr einrichten würde.

Die Müllheimer Straße

Konflikte sieht die IG Velo in der Innenstadt zwischen Hangkante, Kaufring- und Inselareal sowie dem Einkaufszentrum Dreiländergalerie. Dort in der Müllheimer Straße soll ein verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden – doch gerade hier soll eine Velo-Pendlerroute durchführen. Das sei nicht praktikabel, da nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden dürfe, so die Kritik von Jürgen Wiechert. Stadtbauamtsleiter Christan Renner erklärte, dass auf diesem Abschnitt der Radroute ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich vorgesehen sei, in dem maximal 20 km/h gefahren werden dürfe.

In Sachen Tramverlängerung

Sollte die Tramlinie einmal verlängert werden in Richtung Innenstadt und Alt-Weil, müsse die Stadtverwaltung – so die IG Velo – unbedingt die Erfahrungen in Friedlingen auswerten und in neue Planungen einbeziehen. Denn solche Beeinträchtigungen für den Radverkehr wie in Friedlingen dürften sich in der Innenstadt nicht wiederholen. Radfahrern müsse eine Trasse zur Verfügung stehen, auf der sie nicht gezwungen sind, ständig die Tramgleise zu queren.

Die Basler Straße

Beträchtliche Gefahren sieht die IG Velo an der Basler Straße bei der Ein- und Ausfahrt zum Freizeitcenter „Impulsiv“. Nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung, so Bauamtsleiter Renner, wird die Ausfahrt vom Freizeitcenter künftig über die Zufahrt zum Dreiländerparkplatz erfolgen. Zwischen Obelisk- und Stuhlkreisel sollte der Rad- und Gehwegs entlang der Basler Straße (Foto) nach Vorstellung der IG Velo jetzt verbreitert werden. Denn hier muss sowieso gebaut werden, weil Geländer und der Asphalt wegbrechen und die Böschung gesichert werden muss – der Autoverkehr ist hier beträchtlich, ein Radweg mit Zweirichtungsverkehr würde das Radfahren sicherer machen.

Ausbau des Weiherwegs

Sehr kritisch sieht die IG Velo den schlechten Zustand großer Teile des als Radroute von und nach Haltingen ausgewiesenen Weiherwegs. Die Stadt plant, ihn dieses Jahr instand zu setzen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 300.000 Euro. Geändert wird die Zu- und Abfahrt zum Weiherweg, der danach über die Weidstraßen führen soll.

Riskanter Tramübergang

Mehrere Unfälle gab es an der Überleitung des Geh- und Radweges über die Tramgleise an der Lustgartenstraße. Die IG Velo sieht an dieser Stelle Handlungsbedarf; sie hatte bereits im Planungsstadium eine Sicherungsanlage mit Ampel und Schranke für dringend erforderlich gehalten. Das könnte die Unfallgefahr erheblich verringern.

An der Alten Straße

Im Rahmen der Umgestaltung des Rheinparks in Friedlingen soll auch dort ein Radweg angelegt werden; er soll später durch den jetzigen Hafen führen und auf Höhe der Palmrainbrücke zum Radweg in die Alte Straße geleitet wird. Nach wie vor heikel ist der Radweg entlang der Alte Straße: zu schmal, die Oberfläche äußerst mangelhaft. Im Rathaus und auch bei der IG Velo gibt es Überlegungen, künftig auf einer Seite einen Radweg und auf der anderen einen Gehweg zu führen. Dazu muss der Radweg die Breite für Zweirichtungsverkehr erhalten.

Entlang der Freiburger Straße

Nach Fertigstellung des Fußgängerstegs in Haltingen über die Gleise der Bahn sowie über die Freiburger Straße (B3) soll Radlern ein langgehegter Wunsch erfüllt werden: Die Veloroute über die Markgräfler Straße soll begradigt und als straßenbegleitender Radweg angelegt werden. Dafür muss noch eine finanzielle Förderung beantragt werden, es stehen einige baulichen Maßnahmen an, die Verfüllung der Unterführung unter der Freiburger Straße, kurzum: Die Fertigstellung des neuen Radwegs könnte sich bis ins Jahr 2021 hinziehen.

Die Nordwestumfahrung

Voraussichtlich Ende 2019 könnte die Nordwestumfahrung (NWU) in Betrieb gehen. Der Radweg entlang der NWU soll beleuchtet und bevorrechtigt ausgebaut werden. Die Anschlüsse zu den Radwegen an der NWU westlich / östlich sollen noch in diesem Jahr fertig werden. Die jetzige Umleitung für Radfahrer über den Locherer Weg wird weiterhin bestehen bleiben als Radverbindung von Haltingen zur Konrad-Zuse-Straße im Gewerbegebiet. 

Blick auf den Weilweg

Im Oktober 2018 wurde der Weilweg zwischen dem Friedhof Weil und dem Ortseingang Haltingen in großen Teilen instand gesetzt. Er ist für Autos gesperrt, ausgenommen der landwirtschaftliche Verkehr. Sollte der Weg auch künftig als Schleichweg mit dem Auto genutzt werden, müsste die Stadt handeln mit baulichen Maßnahmen, eventuell versenkbaren Pollern.

Fahrräder abstellen

Um das Radfahren nachhaltig zu fördern, sind Abstellanlagen von besonderer Bedeutung. Deshalb hat die IG Velo der Stadt Fahrradabstellanlagen beispielweise am Sparkassenplatz, Trebbiner Platz, Rheinpark sowie an der S-Bahn-Haltestelle Gartenstadt vorgeschlagen. Überdacht sollten sie sein, gut beleuchtet und Schließfächer für Helme, Fahrradbekleidung etc. haben. Entlang der Hauptstraße wünscht die IG Velo eine Verdichtung hochwertiger Abstellplätze, je nach Standort und Machbarkeit auch ohne Überdachung und Schließfächer.

Schule und Repair-Café

Bevor Ulrich Siemann die Mitgliederversammlung mit einem Bildvortrag zu IG Velo-Radtouren schloss, erinnerte Jürgen Wiechert noch an weitere Aktivitäten der Ortsgruppe. In der Rheinschule Friedlingen hat sie in zwei Winterhalbjahren ein Velotraining für Viertklässler angeboten als Vorbereitung für die Fahrradprüfung. Beim Repair-Café stellt die IG Velo zwei Hobby-Mechaniker – ein Angebot, das gerne angenommen wird; die Ortsgruppe wünscht sich weitere Helfer mit technischem Verständnis.

Wiechert