Radverkehr im ländlichen Raum – Vortrag von Verkehrsexperte Peter Gwiasda

Peter Gwiasda vom Planungsbüro VIA eG, Köln, berichtete in einem Vortrag über Potentiale, Chancen und Handlungsansätze für den Radverkehr im ländlichen Raum.

Hans Stötter von der IG Velo Kleines Wiesental hat über diesen Vortrag geschrieben:

Die Veranstaltung, die die IG Velo Wiesental organisert hat, war rege besucht. Über 70 Teilnehmer, Radfahrer aus Lörrach, Maulburg, Schopfheim, Steinen Zell, mehrere Orts- und Gemeinde- und Kreisräte. Eingeführt wurde der Abend von Landrätin Marion Dammann, die einleitend auf das regionale Radverkehrskonzept hinwies. Nach dem sehr informativen Vortrag von Herrn Peter Gwiasda gab es lebhafte Diskussion wo auch Leonie Wiesiollek, Ansprechpartnerin für Radverkehr, gefordert wurde.

Hier nur ein paar Highlights

Interessanterweise sind die durchschnittlich mit allen Verkehrsmitteln zurückgelegten Strecken in ländlichen und städtischen Gebieten gleich bei 7-10 km. Subjektiv erscheint die zurückgelegte Strecke auf dem Land aber länger. In der Stadt ist man mit dem Velo meist schneller. Parken ist auf dem Land unproblematischer, was wieder den Autoverkehr begünstigt. Bei >18-jährigen ist mit dem Erhalten des Führerscheins das Auto attraktiver. Mit der Einführung von E-Bikes, Stellung von Dienstvelos/ Lastenvelos durch Firmen u.a. wird der Veloverkehr gefördert. Die durchschnittliche Geschwindigkeit hat mit Einführung der Pedelecs zugenommen. Die meisten Erhebungen liegen einige Jahre zurück. Aktuelle Erhebungen sind notwendig.

Dringend erforderlich ist die Anpassung des Radwegenetzes an die heutigen Gegebenheiten.

Auf Außerortsstraßen passieren weniger Unfälle als innerorts, diese sind aber meist schwerer und oft tödlich.

Die großen Geschwindigkeitsunterschiede auf Landstraßen sind Gefährdungspotential und teilweise Barriere für den Radverkehr. Radwegebau auf stark befahrenen Straßen und Geschwindigkeitsreduzierung auf Nebenstrecken kann hier helfen.

Restriktionen im MIV gibt es im ländlichen Raum kaum. Sie sind auch nur schwer und allenfalls punktuell durchsetzbar. Strategie kann nur die Beschleunigung des Radverkehrs sein, um die Konkurrenzsituation zu verbessern.

Die zahlreichen Akteure und die zerklüfteten Zuständigkeiten zwischen zu Formen frühzeitiger Kooperation. Hier kann auf bestehendes RadNETZ BW, Radkonzept des Kreises aufgebaut werden.

Für die Genehmigung entsprechender baulicher Maßnahmen sind allerdings die Straßenverkehrsbehörden zuständig und die Straßenverkehrsordnung (STVO) bindend. Eine gesetzliche Grundlage für die Berücksichtigung der Sicherheit des Radverkehrs als Grund für die Anordnung von Tempo 30 gibt es in der STVO §45 nicht.

Betont wurde die Wichtigkeit weißer Begrenzungsstreifen von Fahrradwegen, insbesondere für den Nachtverkehr sind sie unerlässlich.

Mehrfach betont wurde, dass S-Pedelecs, die bis Tempo 45 km/h zugelassen sind und ein Kennzeichen benötigen, nicht auf Radwegen zugelassen sind.

Zusammengenommen sollten diese Maßnahmen einen sicheren Veloverkehr im ganzen Ort für alle Beteiligten wie Schüler, Berufstätige, Senioren ermöglichen.

Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) https://www.adfc.de/verkehr–recht/recht/stvo–co/era/empfehlungen-fuer-radverkehrsanlagen

Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW) https://www.agfk-bw.de/

Musterlösungen für Radverkehrsanlagen( https://www.radwanderland-fachportal.de)

Ein Trio führt im Wiesental

Die Ortsgruppe Mittleres Wiesental hat sich feste Strukturen gegeben.

Die noch junge Ortsgruppe Mittleres Wiesental hat Hubert Dreschler (Schopfheim), Joachim Neuhaus und Volker Zimmermann (beide aus Steinen) zu ihren Sprechern gewählt. Das Trio löst Norbert Cornelsen ab: Er hat beim Aufbau der Ortsgruppe die Fäden in der Hand gehalten und wird sich weiterhin engagieren, nicht zuletzt den guten Kontakt zum Landratsamt halten.

Volker Zimmermann, Hubert Dreschler und Joachim Neuhaus leiten die IG Velo-Ortsgruppe Mittleres Wiesental.Die Ortsgruppe trifft sich alle zwei Monate abwechselnd in den vier Gemeinden Steinen, Maulburg, Schopfheim und Zell; der Schwerpunkt einer Sitzung wird auf Themen der jeweiligen Gemeinde liegen. Das Sprecher-Trio setzt darauf, dass ortskundige Mitglieder und Freunde der IG Velo ihre Beobachtungen, Probleme und Vorschläge einbringen – dies bei den Sitzungen selbst, aber auch per E-Mail. Die Mail-Adressen der Sprecher: Volker Zimmermann: vz.wiesental@googlemail.com; Hubert Dreschler: hubertdreschler@gmx.de; Joachim Neuhaus: jhaus29@gmx.de.

Die nächsten Treffen: Donnerstag, 3. Mai in Steinen (19 Uhr), voraussichtlich Pizzeria Tanne in Höllstein; Donnerstag, 5. Juli in Maulburg (19 Uhr), voraussichtlich Meyerhof, Hauptstraße;

Donnerstag, 13. September in Schopfheim, ab 17 Uhr (geplant ist eine Radtour durch Schopfheim);

Donnerstag, 8. November in Zell (19 Uhr).
FOTO: Volker Zimmermann, Hubert Dreschler und Joachim Neuhaus leiten die IG Velo-Ortsgruppe Mittleres Wiesental.

Steinen will sich wandeln

So könnte es aussehen, wenn das Zentrum von Steinen verkehrsberuhigt ist.

Foto: Agendagruppe

Volker Zimmermann berichtet über hoffnungsvoll stimmende Diskussionen.

In einem Workshop der VHS zum Thema „Steinen im Wandel“ unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Braun erarbeiten Bürger Vorschläge für die Entwicklung Steinens. Eine Arbeitsgruppe, in der IG-Velo-Mitglieder vertreten sind, beschäftigt sich mit dem Thema „Verkehr“.

Die Arbeitsgruppe stellte fest, dass es in Steinen einen „Bewusstseinswandel“ geben müsse – hin zu mehr Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Radfahrer.

  • Es fehlen Radabstellanlagen – vor Geschäften, Gasthäusern, beim Rathaus, am Marktplatz
  • Radfahrer werden vom PKW-Verkehr an den Rand gedrängt, an gefährlichen Kreuzungen und Einmündungen allein gelassen.

 

Zusammenarbeit mit der lokalen Agendagruppe 21 – Vorschläge zur Verkehrsberuhigung

Und so kam der Kontakt der IG Velo mit der lokalen Agendagruppe 21 zustande, welche sich schon seit Jahren unter anderem mit dem Thema „Verkehrsberuhigung in Steinen“ beschäftigt (www.steinen21.com). Wenige Tage danach stellte diese Gruppe einen Vorschlag vor, wie Steinens Ortsmitte verkehrsberuhigt und damit für die Bürger (wieder-)belebt werden könnte: durch eine Sperrung der Eisenbahnstraße für durchfahrende KFZ auf Höhe des jetzigen Zebrastreifens beim Mühlenweg. Wie schon beim Vorschlag der IG Velo (Einbahnstraßenregelung; wir berichteten in der Velopost 2/16) bliebe die Erreichbarkeit sämtlicher Geschäfte, Dienstleister, Behörden etc.  im Ortszentrum erhalten, und die Aufenthaltsqualität dort würde sich für Fußgänger und Radfahrer um ein Vielfaches erhöhen. Selbstverständlich kann sich die IG Velo auch mit diesem noch wesentlich weitergehenden Vorschlag identifizieren und wird ihn unterstützen. Erstaunlich war, dass auch bei diesem Termin anwesende Vertreter des örtlichen Einzelhandels keine grundlegenden Bedenken gegen eine solche Sperrung hatten – haben sie doch wohl auch erkannt, dass ihnen damit nichts „weggenommen“ werden soll.

Wie geht es weiter?
Mit Spannung wird nun erwartet, ob sich alle drei Gemeinderatsfraktionen in Steinen diesen Vorschlag zu eigen machen werden und dann auch die Verwaltung darin unterstützen, dies bei den übergeordneten Verkehrsbehörden durchzusetzen – das sind Landratsamt Lörrach und Regierungspräsidium Freiburg, da es sich bei der Eisenbahnstraße um eine Landesstraße handelt. Das Gleiche gilt für die Forderung, für Steinens Durchgangsstraßen Tempo 30 ganztags (und nicht nur abends und nachts – wie wohl geplant) anzuordnen: eine weitere, längst überfällige Maßnahme für mehr Sicherheit gerade auch für Radfahrer.
Die IG Velo sieht in ihrem Engagement bei „Steinen im Wandel“ und der Zusammenarbeit mit der lokalen Agendagruppe 21 die Chance, noch mehr Mitstreiter für ihre lokale Initiative zu gewinnen. Sie könnte damit ihre Arbeit auf eine breitere Basis stellen und ihrer Forderung nach kurz- und mittelfristiger Umsetzung der Maßnahmen des Radverkehrskonzeptes in Steinen mehr Nachdruck zu verleihen.