Einkauf mit Velo und Handicap

Immer mehr Lörracher fahren mit dem Rad zum Einkaufen. Aber sie können nur bei 2 von 17 Einkaufsmärkten ihr Fahrrad wirklich gut abstellen, kritisiert die IG Velo.

Als die IG Velo im Frühjahr 2020 das Parken bei Lörrachs Einkaufsmärkten testete, hat sie die Messlatte nicht höher gelegt als die Landesbauordnung Baden-Württemberg von 2015: Jeder neue Markt muss einen Fahrradstellplatz auf je 50 Quadratmeter Verkaufsfläche anbieten; jeder Stellplatz muss einen Anlehnbügel für den sicheren Stand haben, mit mindestens 80 Zentimeter Abstand zum nächsten und mit der Möglichkeit, den Velorahmen anzuschließen.

Nur bei zwei Einkaufsmärkten gefiel der IG Velo das Fahrrad parken wirklich gut: bei Kaufland (unser Foto) und beim Biomarkt Primacasa in Tumringen.

In Lörrach gibt es derzeit keinen Markt, der nach 2015 erst eine Baubewilligung erhalten hat. Weshalb die IG Velo großteils noch einfache Vorderradständer gefunden hat, die bei neuen Märkten aus guten Gründen nicht mehr zulässig sind. Man sieht solche – teils museumsreifen – „Felgenklemmer“ zum Beispiel vor Nahkauf in Stetten und dort entlang der gesamten Hauptstraße. Die IG Velo notierte auf ihrer Inspektionsfahrt: höchste Zeit, dass die Stadt Lörrach auch in Stetten eine moderne Abstellanlage installiert.

Meist stehen Radständer zu eng nebeneinander. Hier und da sind sie schlecht zugänglich und eher selten sind sie überdacht. Von der Qualität einmal abgesehen: Bei kaum einem Einkaufsmarkt reicht ihre Zahl. Sie kann in krassem Missverhältnis zur Zahl der Autostellplätze stehen. Zum Beispiel bei Aldi Stetten: mehr als 120 Plätze für autofahrende Kunden, gerade mal sechs für Radfahrer.

Lediglich bei zwei Einkaufsmärkten sah sie ein gutes Angebot für parkende Radfahrer: bei Kaufland am Blasiring und beim Biomarkt Primacasa in Tumringen. Beide zählen auch zu jenen Märkten, die genügend Platz fürs Stellen von Lastenrädern und Rädern mit Anhänger haben.

Das insgesamt schlechte Testergebnis überraschte die IG Velo nicht. Verwunderlich ist es trotzdem. Denn Radfahrer sorgen für gute Umsätze, das weiß man aus Untersuchungen. Zudem ist der Trend zum Radfahren weiter stark, Lörrach will den Anteil der Radfahrer sogar verdoppeln.

Für gutes Velo parken zu sorgen, ist weder schwer noch teuer: zwei Autoparkplätze umnutzen, Radständer nach Landesbauordnung installieren – und vielleicht noch eine Überdachung, damit man sich von der Konkurrenz abhebt.

Der ausführliche Test in der VeloPost…

Mindestens einsfünfzig!

Beim Überholen eines Radlers ist ein Mindestabstand 1,5 Meter vorgeschriebenIn Lörrach mahnen IG Velo, Stadtverwaltung und Polizei gemeinsam: Autofahrer sollen 1,50 Meter Abstand halten beim Überholen! Die Stadt klebt genau diese Aufforderung aufs Heck ihrer rund 100 Fahrzeuge, das Polizeirevier Lörrach auf ihre 11 Wagen. Die IG Velo Lörrach hat von der Ortsgruppe Grenzach-Wyhlen Plakate übernommen und macht das Abstandsgebot entlang einiger Straßen deutlich. Zur Information der Medien kamen zusammen (von links) Jens Langela, Betriebsleiter Eigenbetriebe, Wolfgang Grethler als Leiter des Polizeireviers Lörrach, Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdić sowie Gerd Wernthaler für die IG Velo. Wernthaler hatte eine Pool-Nudel am Gepäckträger befestigt: eindrücklich so, wie viel 1,50 Meter sind! Gerichte haben diesen Abstand (außerorts: 2 Meter) als notwendig beurteilt. Er wird schwarz auf weiß auch in der demnächst novellierten Straßenverkehrsordnung zu lesen sein.

Ortsgruppe Lörrach: neues Leitungstrio

Zu dritt leiten sie nun die IG Velo-Ortsgruppe in Lörrach: (von links) Stephan Hundertmark, Gerd Wernthaler und Toni Latsch-Gulde.Bei der IG Velo in Lörrach halten künftig Stephan Hundertmark, Toni Latsch-Gulde und  Gerd Wernthaler alle Fäden in der Hand.

Das für zwei Jahre gewählte Leitungs-Trio strebt in der  Stadt eine Velo-Offensive an. Der Anteil des Fahrrads am gesamten Verkehr liegt in Lörrach heute bei 17 Prozent. Die IG Velo will ihn auf 30 Prozent im Jahr 2030 steigern. Eine deutschlandweit
vorausgesagte weitere Zunahme der Autofahrten sei nicht mehr ertragbar.
Deshalb müsse Lörrach in den Öffentlichen Nahverkehr und in den Radverkehr investieren. „Lörrach kann ein Vorbild für nachhaltige Mobilität werden und damit die Lebensqualität seiner Bürger und Gäste steigern“, sagte Gerd Wernthaler in der IG Velo-Ortsgruppe.

Salzert besser ans Radnetz anknüpfen

Dank flotter E-Bikes und Pedelecs steigen immer mehr Lörracher von vier Rädern auf zwei um – auch in Wohnlagen am Hang, auch auf dem Salzert. Die Stadt müsse die Anknüpfung des bald noch wachsenden Salzerts genauer anschauen und verbessern, fordert deshalb die IG Velo.

Lörrachs höchstgelegener Stadtteil war wichtigstes Ziel auf der jüngsten Inspektionstour der Interessengemeinschaft. Der Steinenweg ist nach ihrem Urteil eine ausreichend gute Verbindung mit Stetten: Radler können auf der Straße und dürfen auch auf den Gehwegen fahren. Vom Stadtzentrum hinauf nutzen Radler zwei Routen, die erste gemeinsam mit Autos: Wallbrunnstraße (mit Schutzstreifen bis halbe Höhe) und abzweigend die Salzertstraße. Auf der Wallbrunnstraße beklagen Radfahrer überhöhte Geschwindigkeiten vieler Autofahrer am Ortsende bis Abzweigung Salzertstraße. Die IG Velo könnte sich bis hierher die Fortführung des Schutzstreifens gut vorstellen. Die Salzertstraße selbst lässt für Radverkehr keinen eigenen Raum und lässt sich nach Einschätzung der IG Velo nicht leicht ausbauen.

Die Verbindung zum Salzert muss verbessert werden, lautete das Fazit einer Inspektionsfahrt der IG Velo. (Foto: Wolfgang Göckel)

Die Verbindung zum Salzert muss verbessert werden, lautete das Fazit einer Inspektionsfahrt der IG Velo. (Foto: Wolfgang Göckel)

Die alternative zweite Route nutzt, wer als Radler den Autoverkehr lieber meidet: die Straße „Schützenwaldweg“ hinauf bis zur Kehre und gerade aus weiter durch den Schützenwald. Diese Route sollte markant verbessert werden, rät die IG Velo: Das Wegstück durch den Schützenwald bekäme eine Schwarzdecke, wäre so auch bei Regenwetter gut zu nutzen und könnte im Winter geräumt werden.

Bei ihrer Inspektionsfahrt schaute sich die IG Velo auch die Alte Rheinfelder Straße an. Sie zweigt zu Beginn der Salzertstraße ab, führt bergwärts am Salzert vorbei und ist vom Landkreis als Velo-Pendlerroute nach Rheinfelden angedacht. Als Radweg zum Salzert wäre die Alte Rheinfelder Straße spätestens dann bedenkenswert, wenn die Salzert-Siedlung auf diese Seite hin erweitert würde.

Wolfgang Göckel

Wo klemmt es für Radfahrer in Lörrach?

Welche Gefahrenstellen gibt es in Lörrach für Radfahrer? Wo werden Radfahrer ausgebremst? Welche kritischen Stellen gibt es?

Am 20. Mai fahren Mitglieder der Lörracher Ortsgruppe Gefahrenstellen und kritische Punkte im Stadtgebiet und in den Ortsteilen an, um diese genauer anzuschauen und Verbesserungsvorschläge an die Stadt weiterzuleiten.

Mitteilungen über Gefahrenstellen etc. bitte an loerrach@igvelo.de

Rentabilität der Velohalle Lörrach

Regelmäßig klagen Lörracher Kommunalpolitiker, dass die Velohalle nicht ausgelastet sei, und die Investition wird in Frage gestellt. Zu einem Artikel „Velöhalle schreibt Minus“ in der Badischen Zeitung vom 7. Februar 2017 hat IG Velo-Mitglied Stephan Hundertmark einen Leserbrief verfasst:

Velohalle in Lörrach

Foto: Wolfgang Göckel

„In dem Artikel wird berichtet, dass von einem Gemeinderat die Frage gestellt wurde, wie rentabel die Velohalle eigentlich sei. Wie bei allen städtischen Ausgaben eine relevante Frage. Nur nützt eine solche Einzelangabe nichts. Für eine sinnvolle und ausgewogene politische Diskussion sollten die Kosten, die im Zusammenhang mit dem Abstellen von Fahrrädern entstehen, mit den Kosten, die für den ruhenden Autoverkehr anfallen, verglichen werden. Jeder Kfz-Parkplatz benötigt mehr als 10 m², die Stadt Lörrach stellt mehrere tausend Parkplätze im öffentlichen Raum größtenteils kostenlos zur Verfügung. Insgesamt also eine riesige Fläche, die nicht für andere Verkehrsteilnehmer, für Grün- und Spielflächen oder für Gewerbe und Wohnen zur Verfügung steht. Mir ist nicht bekannt, dass in der letzten Zeit im Gemeinderat oder im AUT einmal durchleuchtet wurde, wie rentabel diese Parkplätze eigentlich sind. Tatsächlich geht es hier um große Summen, man denke nur an die Kosten für den geplanten Parkplatz an der neuen Sporthalle Brombach. Eine Studie des VCD, „Versteckte Kosten des Autoverkehrs“ kommt zu dem Schluss, dass jeder Bürger einer Stadt in Deutschland über 100 Euro pro Jahr an Kosten (also nach Abzug der Einnahmen) für den Autoverkehr trägt. Diese Studie zeigt auch auf, wie eine Gemeinde vorgehen kann, um diese verdeckten Kosten zu ermitteln.
Die Velohalle ist Teil eines Konzeptes, um den Fahrradverkehr in Lörrach zu fördern. Jeder Radfahrer in Lörrach hilft, Staus zu entschärfen und die Schäden für die Gesundheit (Lärm, Feinstaub, Stickoxide) der Bürger und für die Umwelt zu reduzieren. Es gibt in Lörrach keine Möglichkeit, in der Zukunft für noch mehr Autos Platz zu schaffen, die Verkehrsinfrastruktur ist am Rande Ihrer Kapazität, Fußgänger und Radfahrer werden an den Rand gedrängt. Die Bürger und Gäste unserer wachsenden Stadt müssen also in der Zukunft mehr Bus und Bahn und mehr Fahrrad fahren, damit das gemeinsame Leben erträglich bleibt. Es ist an der Politik dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen. Populistische Polemik gegen den Radverkehr und seine Infrastruktur hilft sicherlich nicht weiter.“